H.A.W.X

Publisher: Ubisoft
Genre: Action
Releasetermin: 19. März 2009

Test: H.A.W.X

Mit Tom Clancy's H.A.W.X bekommen die Ghosts Unterstützung aus der Luft. Ist es ein actionreiches Ghost Recon der Lüfte geworden oder wird es nur zum langweiligen Spazierflug?

Private Luftwaffe

In Tom Clancy's H.A.W.X schlüpft der Spieler in die Rolle vom Piloten David Crenshaw, welcher zu Beginn des Spiels mit seinen Kameraden den letzten Einsatz für die US Army bestreitet. Anschließend trennt sich die Army von dem erfolgreichen HAWX-Geschwader.

Doch sie bekommen durch die Privatisierung der Luftwaffe die Möglichkeit für Artemis Security zu fliegen, um  Terroristen zu bekämpfen. Die Geschichte hat einige Höhepunkte und Überraschungen zu bieten, doch die Erzählung ist eher schwach ausgefallen. Die Spannung der Story kann nicht vollständig übermittelt werden, wodurch der Spieler eher die Missionen erledigt und nicht das Gefühl bekommt, selbst die Geschichte weiterzuerzählen.


Im Kampf gegen den Terrorismus

Die Missionen in H.A.W.X sind unterteilt in verschiedene Missionstypen. Zwar ist der Ablauf somit teilweise ähnlich zu anderen Einsätzen, doch eintönig wird es nur selten. In den Einsätzen ist beispielsweise die Luftunterstützung eine mögliche Aufgabe. Dabei sollen die Piloten den Ghosts, die Spezialeinheiten auf dem Boden,  den Rücken freihalten, indem Panzer und Stellungen des Feindes zerstört werden. In einigen Einsätzen muss auch eine bestimmte Einrichtung auf dem Boden beschützt werden. Ein bestimmter Radius um den Standort herum zeigt die Sicherheitszone, alles was dort eindringt, ist in einer kritischen Reichweite und in der Lage, das zu beschützende Ziel anzugreifen. Aufgabe dabei ist es alle Gegner vor Erreichen der Zone zu eliminieren. Sollten diese doch durchkommen, sollte schnell gehandelt werden, bevor diese das Ziel zerstören.

Auch das Eskortieren gehört zu den Aufgaben der H.A.W.X-Crew. Dieses läuft ähnlich wie beim Beschützen der Bodenziele, mit dem Unterschied, dass diese unterwegs sind. Beim Eskortieren der Air Force One beispielsweise, müssen zum einen feindliche Flugzeuge abgewehrt und zum anderen die Luftabwehrstellungen auf dem Boden zerstört werden. Bei der Infiltrierung muss eine Zone erreicht werden, ohne vom Radar erfasst zu werden, um dort beispielsweise Luftabwehrstellungen zu zerstören. Ebenfalls fehlen darf natürlich nicht der einfache Angriff, bei dem bestimmte Ziele des Feindes zerstört werden müssen.

Die Einsätze finden auf der ganzen Welt verteilt statt. Bei jedem Einsatzort handelt es sich um ein echtes Gebiet, welche mit GeoEye-Satellitenaufnahmen umgesetzt wurden. Das Ergebnis sind realistische und optisch ansprechende Kampfgebiete.


Handeln, nicht denken

Die Spielmissionen sind sehr linear aufgebaut, sodass einfach nur Befehle nacheinander befolgt werden müssen. Freiraum für eine taktische Vorgehensweise bleibt dort leider nicht wirklich. Viel Zeit wäre dafür ohnehin nicht vorhanden, da häufig schnell gehandelt werden muss. Selbst auf einem niedrigen Schwierigkeitsgrad kann es daher schnell passieren, dass die Mission scheitert, da ein bestimmtes Ziel nicht erfolgreich beschützt werden konnte. Zumindest gibt es einige Checkpoints, damit nicht immer die komplette Mission erneut gespielt werden muss. Mit der Vergabe von derartigen Zwischenspeicherungen wurde jedoch ziemlich sparsam umgegangen. Ein frustrierender Nachteil ist allerdings, dass bei den Checkpoints auch der Zustand von zu beschützenden Objekten gespeichert wird. Ist dieser im kritischen Bereich, so kann es unter Umständen besser sein, die ganze Mission fortzuführen anstatt seit dem letzten Speicherpunkt.

Doch Crenshaw muss nicht immer alleine gegen den Feind kämpfen, sondern hat auch noch seine Flügelmänner an seiner Seite. Sie fliegen bei fast jeder Mission mit und folgen den Anweisungen des Spielers. Es gibt dafür zwei Arten von Befehlen: Verteidigen und Angreifen. Beim Verteidigen geben sie Rückendeckung, beim Angreifen gehen sie auf bestimmte Ziele los. Die Ziele können vorher ausgewählt werden, um festzulegen, welchen Feind die Flügelmänner angreifen sollen. Das ist zum Beispiel geeignet, wenn Flugzeuge aus mehreren Richtungen kommen und abgefangen werden sollen.


Große Auswahl

Eine große Rolle für die Missionen spielen auch die verschiedenen Flugzeuge, die zur Auswahl stehen. Mit über 50 verschiedenen Flugzeugen verschiedenster Arten ist das Angebot sehr ordentlich. Sie unterscheiden sich durch die Kriterien Geschwindigkeit, Panzerung, Handling und Bewaffnung. Für jede Mission wird ein Flugzeug als empfohlen markiert, sodass niemand Angst haben muss, wenn er sich unsicher ist, womit er fliegen soll. Jedes der Flugzeuge kann bis zu vier Waffenslots haben.

Die Wahl der Bewaffnung ist ebenfalls ziemlich wichtig und ist abhängig von den Gegnern in dem Einsatz. In der Übersicht ist angegeben, wieviel Prozent der feindlichen Ziele Jagdflieger, Bomber, Helikopter, Bodentruppen, Luftverteidigung oder Marineeinheiten sind. Zur Ausrüstung zählen das normale Geschütz, verschiedene Raketen, Bomben und Täuschkörper. Bei den Raketen gibt es einzelne Raketen und Multi-Ziel-Raketen. Letztere unterscheiden sich in Luft-Luft und Luft-Boden. Ist das Kampfflugzeug mit einem derartigen System ausgestattet, so werden mehrere Raketen auf ein Mal abgefeuert, um eine größere Zahl von Luft- bzw. Bodeneinheiten zu eliminieren. Die Freifallbomben sind gut für Bodeneinheiten, welche dicht beieinander sind. Wird Crenshaw selbst von einer Rakete anvisiert, was im Spiel nicht gerade selten ist, kann auch ein Täuschkörper abgeworfen werden, damit sich die Rakete darauf anstatt auf das eigene Flugzeug konzentriert.

Bei den Raketen können die Ziele anvisiert werden. Dabei ist es ziemlich einfach zwischen den verschiedenen Zielen zu wechseln. Und dies ist auch notwendig, da die Erfassung nicht automatisch erfolgt. Soll eine Rakete einen gegnerischen Flieger erwischen, so muss dieser auch vorher als Ziel gewählt werden, da die Rakete ansonsten ins Leere fliegen würde. Der Vorrat an Raketen, Bomben und Täuschkörpern ist nur beschränkt. Das normale Geschütz hingegen hat unbegrenzt Munition, ist aber auch etwas schwieriger in der Handhabung. Um den Gegner zu treffen, muss man nah genug dran sein und diesen direkt vor sich haben. Eine Zielanvisierung gibt es dafür nicht, weil das Geschütz nur geradeaus schießen kann. Das macht das ganze schwieriger, aber nicht unmöglich. In einigen Missionen ist dies sogar notwendig.


Erfahrungspunkte im Kampf

Für das Zerstören von gegnerischen Zielen und dem Abschließen von Missionen erhält der Spieler Erfahrungspunkte. Diese sind wichtig für den aktuellen Rang, mit welchem wiederum neue Flugzeuge und Waffen freigeschaltet werden können. Zusätzlich gibt es bestimmte Herausforderungen, welche sich in Bronze, Silber und Gold unterscheiden. Als Beispiel gibt es Bronze für das 50 mit Joint Strike-Raketen zerstörte Lufteinheiten und Gold für 200 dergleichen. Als Belohnung für die erfüllten Herausforderungen gibt es ebenfalls Erfahrungspunkte. So besteht nach dem Durchspielen noch eine zusätzliche Motivation mit dem erfüllen der noch fehlenden Herausforderungen und dem Freischalten weiterer Flugzeuge und Waffen.


E.R.S. und OFF-Modus

Standardmäßig sind in H.A.W.X die Flughilfen eigeschaltet. Mit den Flughilfen lassen sich die Flugzeuge relativ einfach und sicher steuern. Zudem steht das E.R.S., das Enhanced Reality System, zur Verfügung. Mit der Aktivierung des Systems werden bestimmte Flugrouten vorgegeben, um Raketen auszuweichen oder Gegner anzugreifen. In einigen Missionen ist das System sogar zwingend notwendig, da nur eine bestimmte Flugbahn sicher zum Erfolg führt.

Nach den ersten Einsätzen erfolgt eine tutorialartige Prüfungsmission, bei der der Spieler den OFF-Modus kennen lernt. In diesem Modus sind die Flughilfen abgeschaltet und die Kamera zeigt das Geschehen in einer etwas entfernteren Perspektive. Unterschied ist zum einen, dass das E.R.S. abgeschaltet ist, und zum anderen die extremeren Flugmanöver, die möglich werden. In der Prüfungsmission werden Strömungsabriss, Driften und der Kampf im OFF-Modus trainiert. Ab diesem Zeitpunkt können die Flughilfen innerhalb jeder Mission zu jeder Zeit an- und abgeschaltet werden.


Action in ruhiger Atmosphäre

Die Inszenierung des Spiels ist im Großen und Ganzen recht gut gelungen. Grafisch macht das Spiel, zumindest von der Spielwelt, einen sehr tollen Eindruck. Lediglich die Videos sind eher dürftig. Ansonsten kann man beim Fliegen auch mal die schöne Umgebung genießen. In einigen Missionen gibt es auch Regen, welcher zu Regentropfen auf der Bildfläche führt. Sobald man sich über der Wolkendecke fliegt, befindet man sich wieder im Trockenen. Imposant sind auch Einsätze bei Nacht, bei denen die Beleuchtung auf dem Boden für etwas Licht sorgt.

Zwar bietet das Spiel auch ordentlich Action, doch die Atmosphäre ist dafür viel zu ruhig. Es entsteht kein großes Mittendrin-Gefühl, bei dem klar wird, dass es sich um einen entscheidenden Einsatz im Krieg handelt. Es ist natürlich mehr als nur ein gemütlicher Flug, bei dem zwischendurch ein paar Raketen abgefeuert werden muss, doch Funkverkehr, Soundkulisse und die dargestellte Umgebung hätten sicherlich noch etwas mehr Dramatik rüberbringen können.

Doch gibt es zumindest Ausnahmen, die das Gegenteil zeigen. Flüge durch Häuserschluchten oder eine sehr schöne Mission bei Nacht, bei der einer bestimmten Route gefolgt werden muss, um verschiedene Ziele zu zerstören. Währenddessen gibt es eine Raketenwarnung nach der anderen und um dem Spieler herum explodieren so einige Sachen.

Tom Clancy's H.A.W.X ist spielerisch ganz gut geworden. Die Story und Atmosphäre sind zwar eher schwach, doch die vielen Flugzeuge, Waffen, Missionstypen und Herausforderungen sorgen für Abwechslung und Spielspaß. Insgesamt ein gutes, modernes Luftkampfspiel, bei dem zu hoffen bleibt, dass es noch weitere davon geben wird.

Autor: Stefan Brauner, 21.07.2009, 02:16 Uhr

Gesamtwertung
Grafik: 87 %

Gesamtwertung

81 %
Sound: 84 %
Gameplay: 84 %
Atmosphäre: 74 %
Spielbalance: 72 %
Steuerung: 88 %

Autor: Stefan Brauner, 21.07.2009, 02:16 Uhr