Resident Evil 5

Publisher: Capcom
Genre: Survival Horror
Releasetermin: 18. September 2009

Test: Resident Evil 5

Auch auf dem PC dürfen Chris Redfield und Sheva Alomar in Afrika gegen mutierte Kreaturen antreten. Doch ist es wirklich dem Resident Evil-Titel würdig oder mutiert das Spiel zu einem mittelmäßigen Action-Adventure?

Virus in Afrika

In Resident Evil 5 wird der BSAA-Agent Chris Redfield zehn Jahre nach den Ereignissen in Racoon-City nach Afrika geschickt, um dort den Ausbruch eines Virus zu untersuchen, welcher die Bevölkerung zu aggressiven und verstörten Kreaturen werden lässt. Das Spiel verwendet häufig Videosequenzen zum Erzählen der Geschichte. Nach der Anfangsszene trifft Chris auf die Agentin Sheva Alomar, welche für diesen Auftrag als Unterstützung zur Seite stehen soll. Gemeinsam machen sie sich auf dem Weg, um den merkwürdigen Fällen auf den Grund gehen. Sie finden dabei heraus, dass das Virus dazu führt, dass die Wirte ihre Körperfunktionen behalten, aber keine Kontrolle mehr darüber haben, sondern von anderen gesteuert werden. Nach und nach enthüllen die beiden, wer wirklich dahinter steckt und was die Absichten sind.

Die Story ist interessant und bietet auch die eine oder andere Überraschung. Diejenigen, die noch mehr über die Hintergrundgeschichte erfahren möchten, können im Hauptmenü weitere Informationen zur Story nachlesen, welche nach und nach freigeschaltet werden.


Nie alleine

In der gesamten Story kämpfen Chris und Sheva gemeinsam gegen die Gegner. Es wird damit die Möglichkeit geboten die Story im Kooperativen Modus zu spielen. Games for Windows LIVE sorgt dabei für die Vermittlung. Zu Beginn der Spielsitzung kann gewählt werden, ob jeder, nur eingeladene Personen oder niemand bei der Sitzung mitspielen können soll. Alternativ kann auch via LAN gespielt werden.

Auch wer alleine spielt, hat Sheva als Unterstützung. Diese wird in diesem Fall von dem Computer gesteuert und hört dabei, mehr oder weniger, auf die Befehle des Spielers. Ihr kann gesagt werden, dass sie Deckung geben soll und somit immer in der Nähe ist oder angreifen soll und dabei selbstständig herumläuft, attackiert und Gegenstände einsammelt. Jedoch sollte ihr besser nur eine Pistole in die Hand gedrückt werden, da sie dazu neigt sämtliche Munition zu verschießen.

Durch die gezwungenermaßen leichtere Ausrüstung ist Sheva somit eher eine geringe Hilfe. Sie eignet sich jedoch gut dafür verschiedene Gegenstände mitzunehmen, welche nicht mehr in das eigene Inventar passen. Zudem reagiert sie meist selbstständig, wenn der Spieler im kritischen Bereich ist, um ihn dann zu heilen. Somit lässt sich sagen, dass die Unterstützung durchaus zu gebrauchen ist, aber noch besser wäre, wenn mehr Befehlsmöglichkeiten vorhanden wären.

Häufig ist eine zweite Person sogar unerlässlich. So wurden einige Stellen in der Spielwelt eingebaut, wo die Personen nur mit Hilfe an eine bestimmte Stelle gelangen oder Mechanismen nur zu zweit ausgelöst werden können. Im Endeffekt eine gute Lösung, da das Zusammenspiel an denen Stellen mehr ist als zur gemeinsames Herumlaufen.


Angst, die du nie vergisst?

Wichtig bei einem Resident Evil-Spiel sollte auch eine gruslige Atmosphäre sein, welche bei dem Spieler hin und wieder für Angst und Schrecken sorgt. Die "Angst, die du nie vergisst", die auf der Hülle des Spieles versprochen wird, bleibt leider aus. Die Umgebungen sind meist ziemlich hell, die Soundkulisse sorgt für wenig Gruselstimmung und die Gegner greifen nur selten überraschend an. Verglichen mit beispielsweise F.E.A.R. 2 ist Resident Evil 5 ziemlich harmlos. Plötzliche Gefahren sorgen für keinen Schreckeffekt, da diese schon mit Videosequenzen angekündigt werden.

Das Spiel ist viel mehr in die Richtung Action ausgerichtet. An einigen Stellen gibt es Situationen, wo das Duo von einer größeren Menge Gegnern eingekesselt wird. Zumindest dort entsteht ein kleiner Kick, weil die große Menge von allen Seiten eine sehr große Gefahr ist. Wenn Gegner sehr nah sind können diese die beiden anfallen. Mit abwechselndem Drücken von Tasten oder der Unterstützung des anderen können diese wieder abgeschüttelt werden ehe sie einen umbringen. Bei vielen Situationen gilt es auch auszuweichen, da dies ansonsten schmerzhaft werden kann. Action ja, Angst nein.


Passender Schwierigkeitsgrad

Insgesamt stehen drei verschiedene Schwierigkeitsgrade zur Verfügung: Amateur, Normal und Veteran. Der gewählte Schwierigkeitsgrad wirkt, zumindest bei mir, genau passend. Die Kämpfe gegen die normalen Gegner sind relativ leicht, aber nicht zu einfach. Die Bosskämpfe sind dagegen eine ordentliche Steigerung und benötigen schon etwas mehr Anstrengung. Dabei ist es entscheidend die jeweilige Schwachstelle herauszufinden. Wenn diese erst einmal gefunden ist, ist der Boss auch kein allzu großes Problem mehr. Im Laufe des Spiels nimmt die Schwierigkeit konstant zu, bleibt aber im erträglichen Maße. Häufig erfolgen automatische Speicherungen, sodass im Falle des Todes nur wenig Frust aufkommt, da nur sehr kleine Abschnitte erneut gespielt werden müssen.

Mit dem Verbessern der Waffen sollte das erneute Durchspielen auf einem höheren Schwierigkeitsgrad etwas einfacher fallen. Dadurch können weitere Erfolge und Belohnungen freigeschaltet werden. Dies ist auch möglich, wenn auf einem einfacheren Schwierigkeitsgrad erneut gespielt wird und, in diesem bessere Wertungen erzielt werden. Denn am Ende jeden Kapitels gibt es eine Zusammenfassung von benötigter Zeit, getöteten Gegnern, Schussgenauigkeit und die Anzahl, wie oft der Spieler gestorben ist. Dies führt zu einer Gesamtwertung des Abschnittes. Jeder Abschnitt kann zu jeder Zeit im gewünschten Schwierigkeitsgrad erneut gespielt werden.


Kampf mit Waffen und Körper

Resident Evil 5 bietet eine geringe, aber dennoch ausreichende Anzahl unterschiedlicher Waffen, wie beispielsweise verschiedene Pistolen, Schrotflinten, Maschinengewehre oder Gewehre. Sie unterscheiden sich in den Merkmalen Schaden, Ladegeschwindigkeit, Magazingröße und teilweise zusätzlichen Eigenschaften. Gegen Geld, welches im Laufe des Spiels gesammelt wird oder durch den Verkauf von Gegenständen und Schätzen verdient wird, können die einzelnen Merkmale der Waffen verbessert werden. Über das Menü können auch neue Waffen gekauft werden.

Nur leider kann keine Munition gekauft werden und genau das ist der größte Engpass im Spiel. Mit Munition muss sehr sparsam umgegangen werden. Es sollte also sehr genau gezielt werden und nicht durch die Gegend geballert werden. Sollte die Munition dennoch ausgehen, kann auch ein Elektroschocker genutzt werden. Zwei Waffen haben Chris und Sheva jedoch unabhängig von der Ausrüstung dabei: ein Messer und ihren Körper. Das Messer kann jederzeit eingesetzt werden und sollte auch zum Zerstören von Kisten verwendet werden anstatt Munition dafür zu verwenden. Tritte, Schläge und Stampfer können genutzt werden, wenn der Gegner geschwächt ist. So kann sogar im Teamwork der Gegner verprügelt werden.

Die Gegner hinterlassen häufig Geld, Munition, Kräuter oder Schätze. Weiterhin sind Vorräte in Holzkisten oder Obsthaufen versteckt. Vor schwereren Kämpfen ist im Vorfeld noch zusätzliche Ausrüstung zu finden, häufig auch während der Bosskämpfe in Kisten oder Schränken.


Spielerische Vielfalt

Resident Evil 5 zeichnet sich unter anderem durch ein etwas variationsreiches Gameplay aus. So sind nicht nur die Einsatzgebiete, in denen Chris und Sheva kämpfen, sehr unterschiedlich, sondern auch die Art und Weise, wie ein Abschnitt durchgespielt wird. Größtenteils besteht das Spiel aus dem Herumlaufen und  Töten von Gegnern, was in den meisten Fällen auch sehr linear abläuft. Jedoch beweisen manche Kapitel, dass es auch anders geht. So gibt es beispielsweise auch interaktive Videosequenzen, in denen der Spieler nur bestimmte Tasten im richtigen Augenblick drücken muss. Damit es nicht ganz so simpel ist, müssen häufig auch mehrere Tasten gleichzeitig oder die gleiche Taste schnell nacheinander gedrückt werden. Das Timing ist dabei wichtig.

Weiterhin gibt es eine Mission, in welcher die beiden Charaktere verschiedene Fragmente finden müssen. Dazu wird mit dem Boot zu bestimmten Bereichen gefahren, um die gesuchten Teile einzusammeln. Ausnahmsweise gibt es dort sogar kleine Teilabschnitte, wo keine Gegner zu fürchten sind. Andere Kapitel bieten kleinere Quests, wie beispielsweise verschiedene Hebel betätigen oder Spiegel so drehen, dass am Ende ein Weg frei wird.

Interessant ist auch ein Level, bei dem die beiden unterwegs auf einem Fahrzeug mit MG-Geschützen angreifende Gegner auf Motorrädern oder in LKW abwehren müssen. Eine recht spaßige, aber nicht zu unterschätzende Mission.

Die Freiheiten sind dafür nur leider ziemlich gering. Ein Großteil der Spielwelt besteht aus relativ schmalen Gängen ohne Alternativrouten. Der komplette Ablauf ist so linear, wie er nur sein kann. Es gibt nur sehr wenige Ausnahmen, in denen sich der Spieler in einer größeren Umgebung wiederfindet, sich frei bewegen kann und selbst entscheiden kann, wo es zuerst hin geht. Trotz der feststehenden Storyline wäre etwas mehr Freiheit schöner gewesen.


Moderne Optik, veraltete Steuerung

Grafisch ist das Spiel ein richtiger Hingucker geworden. Während der letzte Teil schon fast unwürdig für den PC war, bietet Resident Evil 5 eine moderne Optik und sieht unter DirectX 10 sogar noch einen Tick besser aus. Besonders ansehnlich sind die vielen Videosequenzen. Insbesondere die Kampfszenen, wie beispielsweise bei einem interessanten Rückblick, sehen sehr gut aus. Schade nur, dass der Großteil der Umgebung statisch ist und beispielsweise auf Beschuss keine Reaktion zeigen.

Weniger modern ist jedoch die Steuerung. Zwar ist es typisch für Resident Evil, dass der Spieler stehen bleibt, die Waffe zieht, den Gegner anvisiert und dann abdrückt. Dennoch stellt sich die Frage, ob es gerade auf dem PC nicht besser wäre, auch während des Laufens schießen zu können. Abgesehen davon wirkt die Steuerung weniger präzise. Insbesondere beim Laufen, welches nur durch halten der Taste anstatt durch Umschalten möglich ist, scheinen sich die Personen etwas ungenau steuern zu lassen.

Spielerisch ist Resident Evil 5 gut geworden. Das Spiel bietet eine gute und spannende Story, welche gelungene Videosequenzen beinhaltet, gute Grafik, ein etwas abwechslungsreiches Gameplay und gute Action. Doch vielleicht etwas zu viel Action, denn die gruselige Atmosphäre kommt bei weitem zu kurz. Es fehlen unheimliche Momente, bei denen Angst entsteht, oder Augenblicke, an denen sich der Spieler erschrecken kann. Und auch die Steuerung lässt noch einige Wünsche übrig. Der Spielspaß ist da und das Gameplay stimmt, doch wie ein typisches Resident Evil ist es leider nicht geworden.

Autor: Stefan Brauner, 30.11.2009, 00:42 Uhr

Gesamtwertung
Grafik: 91 %

Gesamtwertung

85 %
Sound: 86 %
Gameplay: 89 %
Atmosphäre: 80 %
Spielbalance: 88 %
Steuerung: 77 %

Autor: Stefan Brauner, 30.11.2009, 00:42 Uhr