Testbericht: Battlefield V

PC-Version, getestet von Timo Schmidt am

Battlefield V der schwedischen Entwickler DICE ist am 20. November 2018 erschienen und konnte mit seiner verbesserten Engine, die Rückkehr zum Zweiten Weltkrieg und vielem mehr begeistern. Im Laufe der letzten Monate wurde der Weltkriegs-Shooter immer wieder, sowohl inhaltlich als auch grafisch, erweitert. 

Daher konsequent: In unserem Testbericht beleuchte ich hauptsächlich die Grundlagen des Spiels, reiße kurz die Kampagne an – befasse mich dann jedoch umfangreich mit den Aspekten, die sich in den drei Monaten seit Release verändert haben. 

Nachdem Battlefield 1 im Jahr den Ersten Weltkrieg beleuchtet hat, geht es mit Battlefield V wieder heiß her an den Fronten des Zweiten Weltkrieges. Auch wenn das Setting vielfach aus der Community gewünscht wurde, versucht DICE dies nicht in eine stumpfe Heroik zu kleiden, die so mancher andichten möchte.

Das Spiel bringt das klassische Gesamtpaket mit sich: Neben dem Hauptmerkmal, dem Mehrspielermodus, bietet es eine Kampagne im Episodenformat und mittlerweile sogar einen Schießstand und kooperativen Missions-Modus. Im März soll der lang erwartete Battle Royale Modus mit dem Namen Firestorm nachgeliefert werden. Zwar lässt sich durchaus darüber streiten, ob der Markt mittlerweile von dieser Art Spiel übersättigt ist – gegen kostenlose Inhalte kann man aber nichts einwenden. 

Battlefield V Screenshot
Auch im neusten Ableger der Reihe tut sich viel auf dem Bildschirm

Generell verfolgt EA mit dem neuen Mehrspieler-Epos einen ganz anderen Plan, als zuvor: Sämtliche DLCs, Inhaltsupdates, nachgelieferte Modi und Karten bleiben für alle Besitzer des Hauptspiels kostenlos. Im Kontrast zu der Politik der Konkurrenz, wie etwa Activision (siehe Call of Duty: Black Ops 4 oder Destiny 2), macht sich der Publisher damit verdient viele Freunde. 

„Dies geschah beim letzten Mal “ 

Wie eingangs erwähnt, setzt auch Battlefield V wieder auf das Episodenformat, um seine Haupthandlung in segmentierten Abschnitten auf verschiedenen Schauplätzen des Weltkrieges zu erzählen. Was hier schlicht „Kriegsgeschichten“ heißt, sind tatsächlich ein halbes Dutzend Mini-Kampagnen. Diese bestehen wiederum aus aneinander gereihte Missionen, welche auf möglichst dramatische Art und Weise versuchen, teilweise recht ungewöhnliche Sichtweisen der Geschichte einfließen zu lassen. 

Als maßgebliches Beispiel sticht hierbei am ehesten die Kriegsgeschichte um eine norwegische Widerstandskämpferin heraus: Im Zuge des zweiten Weltkrieges und des daraus resultierenden Wettrüstens lechzten die unterschiedlichen Nationen nach Kontrolle über ein Wasserwerk in Norwegen, das in großem Stile sogenanntes Schweres Wasser produzieren konnte. Dies ist bei der Entwicklung nuklearer Waffen notwendig gewesen – so viel zum authentischen Teil der Geschichte.

Battlefield V Screenshot
Die Kriegsgeschichten versuchen mit Dramaturgie zu trumpfen

In der Rolle von der jungen Solveig kämpfen wir uns also im sehr atmosphärischen Mondschein durch tiefen Schnee, durch Nadelwälder und Heerscharen von Nazis. Moment, genau das ist hier die Krux: Die Missionen sind sehr atmosphärisch gestaltet und drücken gerne mal auf die Tränendrüse; und doch sind Spieler hier nicht vor Hollywood-Magie gefeit. Denn auch Solveig scheint hunderte Soldaten nach und nach ohne einen tödlichen Kratzer ausschalten zu können – vornehmlich in „Infiltriere A, töte X“-Missionen. Kennt man von vielen anderen Spielen schon zuhauf und wird dem Setting auch in Battlefield V leider nicht gerecht. 

Als Bonus winken im Einzelspieler dennoch ein hervorragender Soundtrack und die besten Akustik- und Grafik-Zaubereien, die DICE im Handwerkskoffer mit sich herumträgt. Zwar vermittelt jede Kriegsgeschichte so als Ganzes betrachtet ihre eigene Prämisse und Moral – doch in der Summe handelt es sich am Ende des Tages um eindimensionales Gameplay, verpackt in schöne Effekte. Im Grunde genug, um einige Stunden unkomplizierter Action zu genießen, bevor der Hauptmodus der Battlefield-Reihe winkt: Der Mehrspieler in all seinen Fassetten. 

Vier Klassen für ein Halleluja 

Die Battlefield-Serie wäre nicht die Battlefield-Serie, wenn sie nicht mit unterschiedlichen Soldatenklassen in ihren Mehrspieler-Modi aufwarten würde. Auch in Battlefield V habe ich die Wahl zwischen Assault, Medic, Recon und Support. Im Gegensatz zu vielen anderen Mehrspieler-Titeln auf dem Markt, spielen sich die Klassen hierbei gänzlich unterschiedlich und greifen auch auf unterschiedliche Waffensets zurück. Alles soweit relativ selbsterklärend und nichts Neues im Westen.

Battlefield V Screenshot
Obgleich die hier gezeigten Prothesen fehlen, gibt es viele Anpassungsmöglichkeiten

Neu dazugekommen ist die sogenannte Kompanie: In Battlefield V statten wir alle Klassen separat aus, was sich auch auf das Aussehen auswirkt. Um nicht jedes Mal im Spiel aus der Action gerissen zu werden, wenn Anpassungen gemacht werden wollen, ist dieser Punkt nun ein gesondertes Menü im Spiel und bietet neben Outfits, Skins und Waffen-Addons auch körperliche Merkmale. Dabei kann innerhalb der Kompanie auch Rücksicht auf die zu spielende Fraktion genommen werden, was den Umfang an Individualisierungsmöglichkeiten noch mal immens erhöht. 

Auch ganz neu: Im Gegensatz zu den Vorgängern der Reihe, in denen dies dem Medic vorbehalten war, können nun alle Spieler gefallenen Kameraden aus dem eigenen Squad aufhelfen. Medics bringen den Bonus, auch Spieler aus anderen Squads wiederbeleben zu können. Wobei die Bezeichnung „Wiederbeleben“ nun auch nicht mehr ganz korrekt ist, weil man den Kollegen in einer gut animierten, kurzen Sequenz sprichwörtlich aufhilft. Das Ganze geht als Medic noch mal flotter vonstatten, da dieser gleich die Adrenalin-Spritze zückt.

Des Weiteren – und das ist meine liebste Neuerung in der Reihe – wurde das sogenannte 3D Spotting zur Markierung feindlicher Spieler komplett ersetzt. Man kann nach wie vor Hinweise auf Fahrzeuge und Fußsoldaten geben, diese beschränken sich allerdings auf die Lokalität zum Zeitpunkt der Markierung. So muss man deutlich stärker auf seine Umgebung achten. Stärkt die Immersion soweit sehr -ansonsten ist vieles beim Alten. 

Atmos, RTX, DLSS, und mehr 

Battlefield V setzt mit einer erneut verbesserten Frostbite Engine, für die DICE bekannt ist, noch mal eine ganze Schippe drauf: Neben verbessertem räumlichen Tonsampling in Kombination mit Dolby Atmos und der DICE-typisch hochwertigen Soundkulisse, wurden unter der Haube viele Anpassungen im Detail vorgenommen. 

Battlefield V Screenshot
Auch in der fünften Iteration der Hauptreihe beweist DICE wiedermal viel technisches Geschick

Auch visuell hat sich einiges getan und gerade hinsichtlich neuer DirectX 12 Features ist das Spiel ein Pionierswerk: Im Zuge der neuen Turing-Architektur aus dem Hause Nvidia und den Möglichkeiten von Realtime Raytracing liefert das Spiel auf Wunsch unglaublich realistische Reflexionen in Pfützen, Scheiben und anderen Elementen der Spielwelt. Die Krux dabei: Das Ganze ist (derzeit noch) GPU-Beschränkt und nur mit Grafikkarten der RTX 2000er Reihe möglich. 

Entsprechend nicht optimiert und performancelastig kommt das Feature auch daher: Bei einer RTX 2080Ti, dem derzeit stärksten Konsumenten-Modell auf dem Markt, kommt es bei der Aktivierung von Echtzeit-Raytracing teilweise zu einem Leistungseinbruch von über 40 %. Um dies zu kontern, hat Nvidia gleich Deep Learning Super Sampling, kurz DLSS, mitgeliefert. Diese ebenfalls exklusive Funktion soll mittels künstlicher Intelligenz anhand tausender Referenzbilder die aktive Kantenglättung übernehmen – und so in der Theorie mehr Leistung für andere Dinge ermöglichen. 

Leider stellt sich insbesondere Battlefield V hierbei selbst ein Bein: Wo DLSS bei anderen Titeln wie etwa Metro: Exodus ab einer 1440p-Auflösung genutzt werden kann, graut das Spiel hier sogar je nach Auflösung und Hardware diese Einstellungsmöglichkeit gerne mal komplett aus. Somit bleibt DLSS ein 4k-exklusives Feature, das den meisten Nutzern (welche sich erfahrungsgemäß im 1080p- bis 1440p-Bereich bewegen) nichts bringt. Schade. Doch wenn Raytracing funktioniert und man sich nicht von dem Leistungseinbruch beeindrucken lässt, sieht alles deutlich realistischer aus. Leider beschränkt sich das RTX-Feature wegen seines Hardwarehungers auf Echtzeitspiegelungen auf entsprechenden Oberflächen, doch allein dieser Punkt trägt unheimlich viel zur Stimmung des Spiels – und teilweise auch der Dynamik der Matches bei. Die Spiegelung von Geschossen und teilweise auch anderen Spielern, können gelegentlich ein großer Vorteil sein. 

Battlefield V Screenshot
Die Karten sind durch die Bank abwechslungsreich und atmosphärisch ansprechend gestaltet

Bleibt abzuwarten und zu bangen, dass DICE und Nvidia hier noch unter der Haube an der Funktion schrauben; denn derzeit ist von der Funktion für reine Mehrspieler-Soldaten abzuraten. Gut Ding braucht eben Zeit und die Technik steckt noch in bunten Kinderschuhen. 

Tides of War, Combined Arms und Firestorm 

Wie eingangs bereits angerissen, geht EA mit Battlefield V einen sehr EA-untypischen Weg und liefert sämtliche Inhalte, welche nachträglich veröffentlicht werden, kostenfrei für sämtliche Spieler nach. So auch beispielsweise das tolle Roadmap-Feature Tides of War: In regelmäßigen Abständen werden neue Seasons der Tides of War eingeleitet, welche den Spielern eine Art Roadmap zum Freischalten neuer Skins, Waffenaufsätze und ganzer Fahrzeuge beziehungsweise Waffen selbst bietet. Hierbei verfolgt man das klassische Schema: töte X Soldaten beim Stuhlgang, fliege fünf Salti mit dem Bomber und weitaus weniger spannende Aufgaben. 

Combined Arms hingegen ist gänzlich neu zum Kriegsshooter-Repertoire dazu gestoßen und stellt eine Art kooperativer Spielmodi gegen KI-Gegner dar. Ein knappes Dutzend Missionen führt eine Gruppe aus bis zu vier Spielern über diverse Mehrspieler-Karten und lässt sie abwechselnd Offiziere hinrichten, Lager infiltrieren und Gegner-Wellen überleben. Der Modus ist ein nettes Gimmick und bietet dank variablem Schwierigkeitsgrad eine gute Möglichkeit, sich als festes Team einzuspielen und seine Fähigkeiten zu schärfen. Im März soll außerdem abschließend ein Firestorm getaufter Battle-Royale-Modus erscheinen. Dem größten Teil der Leserschaft sollte der Modus spätestens seit dem Release von EAs eigenem BR-Ableger Apex Legends geläufig sein, doch das Prinzip lässt sich schnell herunterbrechen: bis zu einhundert Spieler springen per Fallschirm über ein weitläufiges Gebiet ab, suchen sich Ausrüstung zusammen und der letzte Überlebende, (beziehungsweise Team) gewinnt. 

Battlefield V Screenshot
Ob das Flammenmeer im kommenden Battle Royal Modus fesselt, bleibt abzuwarten

Im Gegensatz zu anderen Vertretern des mittlerweile doch sehr hoch-frequentierten Spielprinzips möchte der schwedische Entwickler DICE hier jedoch noch mal eine Schippe drauflegen: Sowohl Panzer als eine, dem Modus namens-gebende, Flammenwand sollen sich hier von der Konkurrenz abheben. Wie sich das Ganze spielt, ob es auch Spaß macht und die Rechnung in Kombination mit Fahrzeugen hinsichtlich des Balancings auch aufgeht, werden wir in einigen Wochen erfahren. 

Wertung

Positiv

  • Frische Schauplätze in den Kriegsgeschichten
  • Audiovisueller Meilenstein dank verbesserter Engine
  • Viele Inhalte, welche kostenlos erweitert werden
  • Gut optimierte Mechaniken, unter als auch über der Haube

Negativ

  • Kriegsgeschichten verschenken erneut viel Potential
  • Echtzeit-Raytracing in den Kinderschuhen und nicht sondelrich performant
  • Deep Learning Super Sampling funktioniert eingeschränkt
  • Balancing leidet oft mangels bzw. verspäteten Autoausgleichs der Teams

Fazit

GC-Wertung
8,5

Battlefield V knüpft da an, wo der digitale Ausflug in den ersten Weltkrieg aufgehört hat: gnadenlose Schlachten, auf weitläufigen und zeitgleich visuell atemberaubenden Karten in Kombination mit umfangreichen freischaltbaren Funktionen und Ausrüstungsgegenständen. Die Schlachten-Atmosphäre erreicht dank verbesserter Engine, Tonkulisse und ganz besonders detaillierter Grafik nochmal ein ganz neues Level. 

Leider ist die Kampagne in der Summe eher ein hübscher und atmosphärischer Schießstand, statt historische Tabuthemen anzusprechen (trotz der nachgelieferten Mission als deutscher Panzer-Kommandant) und einen zum Nachdenken anzuregen. Dennoch begeistert das Spiel mit einem gigantischen Umfang, viel zu Erledigen und der typischen Mehrspieler-Action, die man von einem Ableger der Battlefield-Reihe auch erwarten kann. Die kostenlosen Inhalte, welche nach und nach ins Spiel finden, machen neugierig auf mehr und am Horizont wartet auch schon ein spannender Battle Royale Ansatz. 

Wenn DICE in Zusammenarbeit auch noch an der RTX-Architektur und –Umsetzung im Spiel schrauben, dürfte sich das Spiel auch technisch zu einem Meilenstein mausern, das als Trittbrett in eine neue Ära lange in Erinnerung bleibt. 

Vielen Dank an Electronic Arts für die Bereitstellung des Testmusters.