Testbericht: Ratchet & Clank: Rift Apart

PS5-Version, getestet von Timo Schmidt am

Die Marke Ratchet & Clank stand schon immer für brachiale Action in einem albernen und doch wunderschönen Sci-Fi Universum. Eine entsprechend cineastische Inszenierung und ein antreibender Soundtrack gepaart mit vielen Erkundungsmöglichkeiten gestalteten schon vergangene Teile auf den alten PlayStation-Konsolen zu musst-Have-Titeln. Mit „Rift Apart“ erschien am 11. Juni 2021 nun aus dem Hause Insomniac Games unter den Fittichen von Sony das neuste Action-Adventure. Man kann sich denken, welche Qualitäten hier auf die Spielerinnen und Spieler warten, wenn man bedenkt wie gut Insomniacs Spider-Man Versoftungen waren.

In einer weit entfernten Dimension…

In Rift Apart, dem chronologischen Nachfolger des PS3-Titels Ratchet & Clank: Into the Nexus, treffen wir auf altbekannte Gesichter: Allen voran Wombat-Held Ratchet und der kleine Roboter Clank. Natürlich hat erneut Dr. Nefarious seine gierigen Finger im Spiel und spielt dieses Mal einen sogenannten Dimensionator: Das Gerät dient dem Zweck, Zugang zu anderen Dimensionen zu bekommen um so beispielsweise Ratchet mit seiner verschollenen Rasse wieder zu vereinen. Zu Beginn der Handlung wird das gerät also während einer Parade zu Ehren der beiden gestohlen und ein Missgeschick des ohnehin tollpatschigen Antagonisten sorgt für einen Riss im Zeit-Raum-Gefüge. Dieser trennt dann recht früh das Heldenduo voneinander, woher auch der Titel Rift Apart stammt.

Alteingesessene Fans dürften hierbei erstmal ihren Kopf schütteln, wenn man bedenkt, wie oft das Duo schon in ihrer Laufbahn voneinander getrennt wurde. Doch bringt diese Trennung in dem neuen Ableger nicht nur spielerische Würze ins Spiel, lockert sie das Ganze durch ein neues Gesicht in unserer epochalen Weltraum-Geschichte auf. Mit Rivet, einer Lombax-Dame, erschuf Insomniac Games quasi das perfekte Gegenstück zu Ratchet. Diese spielt sich exakt gleich, kommt mit einem tollen eigenen Charakter daher und begleitet recht schnell Clank auf seinen Reisen durch die Paralleldimension. Ohne all zu viel vorweg zu nehmen: Ein entsprechendes Pendant wartet auch auf den haarigen Banausen Ratchet.

In der neuen Dimension hat Dr. Nefarious als Herrscher die totalitäre Macht an sich gerissen und überall patrouillieren fiese Roboter durch auf den Oberflächen der zig Planeten, die es wiedermal zu erkunden und befreien gibt. Hierbei spielt die Freundschaft der dreien oder vieren eine große Rolle in der Haupthandlung und der Mut, den es dazu braucht, über seine eigene Fehler und Ängste hinweg zu sehen und Teil des großen Ganzen zu werden. Generell ist die Handlung sehr filmreif in Szene gesetzt und wird von einem extrem tollen Soundtrack sowie umwerfender technischer Spielereien noch weiter voran getrieben. Dann noch die Tatsache, dass wir es hier mit einer waschechten Dimensions-Problematik zu tun haben: Aufgrund der aktuellen Lage können die Protagonisten mittels eines Dimensionshandschuhs entweder Risse an sich heran ziehen und sich so schnell durch die Welt bewegen (was extrem ausgeklügelt dargestellt wird!) oder gar die ganze Zeitlinie verändern und so beispielsweise zwischen Gegenwart und Vergangenheit eines Gebiets hin und her wechseln. Klingt nicht trivial, ist nicht trivial, macht einen Heidenspaß. Da hilft auch der Umstand, dass die generelle Stimmung des Spiels durch die Bank ebenfalls einem Pixar Animationsfilm gleichkommt.

Das Spiel bietet unzählige Waffen, ebenso viele Möglichkeiten diese mit gefundener Währung zu verbessern. Dazu kommt die Möglichkeit, freischaltbarer Eastereggs. Sind jene in vielen Spielen eher ein optisches Gimmick, bieten sie in Rift Apart sogar gelegentlich einen echten Mehrwert: Sich zum Beispiel dank einer optionalen Anzeige auf der Karte viel Zeit mit dem Suchen verstreuter Collectibles sparen zu können, ist eine gigantische Erleichterung. Leider ist allerdings nicht alles perfekt: Recht schnell muss man irgendwie einfach akzeptieren, dass Ratchet und Rivet grundsätzlich die selben Waffen und Fähigkeiten besitzen, obwohl sie sich gerade zu Beginn beispielsweise noch gar nicht getroffen haben. Das hätte man zumindest handlungstechnisch wenigstens versuchen können zu erklären.

Die Magie neuer Hardware

Ratchet & Clank: Rift Apart bedient sich Tropes und Spielmechaniken, die wir nur zu gut aus den vielen Vorgängern schon kennen. Mehrere Planeten werden in einer teiloffenen Spielwelt erkundet, kleinere Aufgaben am Wegesrand erledigt, viele viele Collectibles in Form von Artefakten und Währung in Form höchst befriedigend animierter Mengen von Schrauben gesammelt und selbstverständlich massig Gegnertypen mit vielen verrückten Waffen vermöbelt. Letzten Endes spielt sich der neue Ableger der Reihe wie ein 3rd-Person-Adventure mit großem Fokus auf Shooter-Passagen, da stets viele Gegnermassen auf unsere Helden warten. Ruhigere Momente gibts es jedoch zuhauf, welche die Möglichkeit bieten die wunderschön in Szene gesetzte Spielwelt, ihre Bewohner und Geheimnisse zu entdecken.

Neben der tollen Haupthandlung glänzt das Spiel allerdings – im wahrsten Sinn des Wortes – in einem gesonderten Punkt am meisten: Die PlayStation 5 Umsetzung zeigt ganz klar, wer die Hosen an hat und was Sonys neues Flaggschiff sowie der Dual Sense Controller so alles auf dem Kasten haben. Wie selbstverständlich fühlen sich die dutzenden vollkommen unterschiedlichen und duschgeknallten Waffenarten mit dem neuen Controller ebenfalls unterschiedlich an. Mal reagieren die adaptiven Trigger auf das Sekundärfeuer, mal spüren wir den detaillierten Schuss-Rhytmus eines exotischen Maschinengewehrs. Wie schon im PlayStation 5 Exklusivtitel Returnal zeigt Sony, wie sehr die Haptik das Spielgefühl und das Erlebnis in Summe ergänzen kann.

Dazu gesellt sich natürlich die offensichtlichste NextGen-Verbesserung: Eine Grafikpracht, wie man sie nur aus einem Pixar Animationsfilm kennt. Ohne hier journalistische Seriosität einzubüßen: Selten war alles optisch so hochpoliert und aus einem Guss, wie in Ratchet & Clank: Rift Apart. Nicht nur die umfangreichen und flüssigen Animationen, auch die schiere Masse an Partikeleffekten, Lichtspielereien und dank Echtzeit-Raytracing akkurate Reflektoren der Spielwelt, setzen noch einen oben drauf. Gerade die Echtzeitspiegelungen lassen einen so manches Mal staunend zurück: Denn wenn im Fotomodus, welcher separat jederzeit per Tastenkombination ausgelöst werden kann, sogar die kleine Kanonenkugel der aktuell ausgewählten Waffe alle Details der Umgebung korrekt widerspiegelt, selbst wenn sie sich nicht im Blickfeld der Kamera befinden, fällt einem die Kinnlade herab. Grundsätzlich gibt es mehrere Grafikmodi, die zur Auswahl stehen: High Fidelity, welcher die beste Wiedergabequalität bieten will, Performance, der Effekte und Raytracing wegschneidet um mit der höchstmöglichen, dynamischen Auflösung an 60 Bilder pro Sekunde zu kommen und ein Performance-RT Modus, der Effekte und Auflösung herunterschraubt um mit aktiviertem Raytracing 60 fps zu erreichen.

Wäre dem nicht genug, bietet Ratchet & Clank: Rift Apart nativen 3D Spatial-Sound per Pulse 3D Headset, welcher viele akustischen Details wiedergibt, die ansonsten oftmals verschluckt werden würden. Und quasi keinen einzigen Ladebildschirm. Das Gefühl, beim Druck auf „Start“ in der nächsten Sekunde unmittelbar im Spiel zu stehen, ist höchst befriedigend. Hier treibt die verbaute SSD munter hier Unwesen und zaubert dem technikaffigen Gamer hier und da gerne mal ein Lächeln ins Gesicht. Bravo!

Wertung

Positiv

  • Unfassbar hochwertige Produktion
  • Animationsqualität einem Pixar gleich
  • Liebenswerte, nachvollziehbare Charaktere
  • Viele sehr unterschiedliche Planeten
  • Wahre NextGen-Qualität dank RT und Co

Negativ

  • Gelegentliche Immersionsbrecher

Fazit

GC-Wertung
9,5

Wer eine PlayStation 5 besitzt, darf sich Ratchet & Clank: Rift Apart aus dem Hause Insomniac Games keinesfalls entgehen lassen. Vielmehr noch: Das Spiel ist wahrlich DER Pflichttitel der neuen Konsolengeneration. Eine fesselnde Handlung, liebenswerte Charaktere (Rivet ist ganz klar die neue Hauptdarstellerin aus Sonys gesamtem Portfolio) und eine technische Meisterleistung die ihresgleichen sucht. Natürlich gibt es hier und da kleine Macken, die unter anderem auch einfach dem Genre geschuldet sind; aber alles in allem bedarf es nicht vieler Worte für das Fazit: Kaufen.

Vielen Dank an ToLL Relations für die Bereitstellung des Testmusters.