Testbericht: Blur

PC-Version, getestet von Stefan Brauner am

Beim Betrachten des Fernsehspots von BLUR scheint die Botschaft zu sein, dass es sich um ein Mario Kart für die großen Jungs handelt. Bevor es einen Eklat gibt: Natürlich ist auch Mario Kart für Erwachsene geeignet. Es handelt sich vielmehr um einen Funracer, bei dem lizenzierte Fahrzeuge gefahren werden und gleichzeitig kleine Waffen zum Einsatz kommen. Für wie viel Spielspaß das sorgen kann, erfahrt ihr in diesem Testbericht.

Jagd nach Lichtern

Im Karrieremodus von BLUR fährt der Spieler neun verschiedene Events mit jeweils sechs Rennen. Hierbei ist jedoch nicht nur eine gute Platzierung wichtig, sondern auch das Erfüllen von zusätzlichen Herausforderungen. Für das Erreichen der Top 3 erhält der Fahrer, in Abhängigkeit vom erreichten Platz, Lichter. Diese sind im Endeffekt nichts anderes als Punkte, die gesammelt werden. Zusätzlich zur Platzierung erhält der Spieler diese für das Durchfahren von Toren sowie für bestimmte Anzahl von Fans. In jedem Rennen sind dabei nach Aktivierung der Aufgabe mehrere Tore auf der Strecke dargestellt, welche in einer bestimmten Zeit passiert werden müssen. Sobald eines davon verfehlt wird oder das Limit abgelaufen ist, so kann dies in der nächsten Runde erneut versucht werden. Ebenso gibt es ein zusätzliches Licht, wenn der Fahrer eine vorgegebene Anzahl von Fans auf der Strecke erreicht. Was es damit auf sich hat, wird etwas später erklärt. Beides sind jedoch optionale Zusatzaufgaben, welche nicht zwangsläufig erfüllt werden müssen.

Mit den Lichtern werden neue Events freigeschaltet. Hierfür ist es nicht einmal notwendig, dass jedes Rennen gewonnen wird. Die Vergabe dieser Punkte ist recht großzügig, sodass selbst das letzte Event erreicht werden kann ohne viele der zusätzlichen Ziele erreicht zu haben und dabei häufiger auch nur den dritten Platz erreicht zu haben. Das Weiterkommen ist somit meist ohne großen Frust möglich. Stattdessen gilt es in den Rennen noch zusätzliche Herausforderungen zu erfüllen, wie beispielsweise ein kompletter Lauf ohne Reparatur und Demolierung oder Gegner auf bestimmte Art und Weise zu attackieren. Sind alle Aufgaben erfüllt, so kann gegen den Boss des jeweiligen Events gefahren werden, um dessen Wagen, einen speziellen Mod sowie weitere Lichter zu gewinnen.


Kampf mit Powerups

Der wichtigste Bestandteil von BLUR sind die Powerups, die auf der Strecke zu finden sind. Sie werden automatisch beim Durchfahren eingesammelt und stehen dem Fahrer dann zur Verfügung. Es können drei Powerups gleichzeitig aufbewahrt werden. So können einige davon für einen späteren Zeitpunkt aufgehoben werden. Bis zur Nutzung kann durch die Items durchgewechselt werden. Wird einiges nicht mehr benötigt, besteht auch die Möglichkeit dieses kurzerhand abzuwerfen. Insgesamt gibt es acht verschiedene Powerups.

Mit dem Schock werden drei große Blitzwellen vor den erstplatzierten Fahrern erzeugt, welche beim Durchfahren das Fahrzeug beschädigen und stark abbremsen. Es gilt daher diesen großen Blitzwellen auszuweichen, wobei auch an Zeit eingebüßt wird. Dies ist jedoch eine sehr gute Möglichkeit, um auch noch bei größeren Rückständen die Chance zu erhalten, etwas auf den Führenden aufzuschließen. Bei dem Stoß handelt es sich um eine Lenkrakete, welche beim Treffer das Gefährt in die Luft schleudert. Sie kann sowohl nach vorne als auch nach hinten hin abgefeuert werden. Ebenfalls in beide Richtungen können die Blitze geschossen werden. Hierbei handelt es sich um drei Energiesalven, mit denen die Gegner verlangsamt werden können. Der Abräumer ist ein Powerup, das um das komplette Fahrzeug herum eine kleine Druckwelle erzeugt, welche gegnerische Autos zur Seite drängt und kurzzeitig ausbremst. Zudem gibt es noch Minen, welche sowohl nach hinten hin abgelegt als auch nach vorne geschossen werden können, Schilder zum Schutz vor Powerup-Treffern und Kollisionsschäden, Nitro für einen Geschwindigkeitsschub sowie die Reparatur des Fahrzeuges.

Anders als beim konkurrierenden Titel Split/Second Velocity haben die Angriffsmöglichkeiten zwei große Vorteile. Zum einen können auch noch weit entfernte Gegner mit dem Schock, in der Vorrunde abgelegten Minen oder den Stößen geschädigt werden und zum anderen können auch die direkten Verfolger abgeschüttelt werden. Da sich auf der Strecke sehr viele Powerups befinden und dadurch jederzeit Gefahr droht, ist das Rennen auch erst dann wirklich entschieden, wenn die Ziellinie überquert wird. Denn selbst kurz vor der Ziellinie kann durch einen gezielten Angriff das Rennen noch verloren werden.


Unterstützung der Fans

Ein weiteres wichtiges Spielelement sind die Fans, die der Fahrer im Laufe der Rennen sammeln kann. Diese werden durch Treffern mit Powerups, das Erreichen guter Platzierungen, Fan-Sprints und Fan-Anfragen hinzugewonnen. Bei den Fan-Sprints handelt es sich um das bereits erwähnte Passieren von Toren auf der Strecke, welches auf jeder Strecke im Karrieremodus möglich ist. Etwas später erscheinen auch Fan-Anfragen, welche mit dem Durchfahren angenommen werden. Um die Anfragen zu erfüllen muss eine Aufgabe innerhalb einer bestimmten Zeit erfüllt werden. So gilt es beispielsweise einen Treffer mit dem Stoß zu erzielen. Hierfür bekommt, sofern noch Platz ist, der Spieler die benötigen Powerups für die Erfüllung der Anfrage. Je schneller der Abschluss erfolgt, desto mehr Fans gibt es für diese Aktion. Etwas benachteiligt werden jedoch die Fahrer, die mit großem Vorsprung an der Spitze sind, da diese keinen Gegner zur Attacke in der Nähe haben.

Die Fans sind wichtig für den Fan-Status, welcher mit einem Erfahrungslevel gleichgesetzt werden kann. Beim Aufsteigen im Fan-Status werden neue Fahrzeuge und im Onlinemodus auch neue Spielmodi und Herausforderungskategorien freigeschaltet. Die Level sind in den Spielmodi unabhängig. Somit haben die Erfolge im Einzelspielermodus keinen Einfluss auf den Onlinemodus oder umgekehrt. Während in der Karriere bereits beim Fan-Status 25 Schluss es, geht es online bis 50 weiter. Nach dem Erreichen von Level 50 kann der Spieler von vorne anfangen, um Legenden-Status zu erreichen und damit ein besonderes Fahrzeug freischalten zu können. Dieser Vorgang kann bis zum Legenden-Status 10 wiederholt werden. Da im Onlinemodus keine Fan-Springs und Fan-Anfragen vorhanden sind, gibt es stattdessen Herausforderungen, mit denen viele, zusätzliche Fans hinzugewonnen werden können. Hierfür gibt es einmalige oder auch tägliche Aufgaben. Letztere werden an jedem neuen Tag wieder zurückgesetzt und können erneut erfüllt werden.


Lizensierte Fahrzeuge

Als fahrbaren Untersatz steht dem Spieler eine große Auswahl lizensierter Fahrzeugen zur Verfügung, welche in vier Stufen eingeteilt sind. Bei den Rennen wird immer eine Klasse vorgeschrieben, von welcher ein Wagen ausgewählt werden muss. Zu Beginn ist das Angebot recht gering, doch bei jedem neuen Fan-Status stehen weitere Karossen zur Verfügung. Gewählt werden kann unter anderem zwischen verschiedenen Sportwagen, Kleinwagen oder SUVs, welche sich in Höchstgeschwindigkeit, Beschleunigung, Grip, Schwierigkeit und maximaler Energie unterscheiden. Je nach Gegebenheit der Strecke sollte auch das passende Fahrzeug gewählt werden. So ist bei langen Geraden der Grip nicht besonders wichtig, bei Offroadstrecken dafür ein geländetaugliches Fahrzeug, da die Sportwagen bei dem schlechteren Untergrund an Geschwindigkeit verlieren.

Trotz der lizensierten Fahrzeuge sind auch Schäden möglich, wie es sich für so ein Spiel auch gehört. Ein sehr detailtreues und realistisches Schadensmodell gibt es zwar nicht, doch dennoch ist der Grad der Zerstörung auch am Fahrzeug sichtbar. Die Fahrzeuge halten nur eine bestimmte Schadensmenge aus. Der Energiestatus wird in der grafischen Oberfläche eingeblendet, sodass jeder weiß, wie es um seinen Wagen steht Sobald es kritisch wird. Ist nur noch ein Energiepunkt übrig, so ertönt auch ein Warnhinweis und das Bild blinkt rötlich auf. Bei kompletter Demolierung des Fahrzeuges wird dieses wenig später wieder komplett repariert und leicht beschleunigt zurückgesetzt, um das Rennen fortsetzen zu können.

Um mit den Fahrzeugen einen zusätzlichen Vorteil erzielen zu können, gibt es noch Mods. Im Einzelspielermodus werden diese durch das Besiegen der Boss-Gegner freigeschaltet und ermöglichen beispielsweise das Abfeuern von vier statt drei Blitzen mit einem Powerup oder das Beiseiteschieben von gegnerischen Fahrzeugen beim Nitro. Es kann ein einziger Mod ausgewählt werden, der für jedes Fahrzeug gilt. Dieser kann jederzeit gewechselt werden. Im Onlinemodus verhält sich dies etwas anders. Hier können sogar drei verschiedene Mods vor jedem Rennen ausgewählt werden, welche jedoch auch erst nach und nach freigeschaltet werden müssen.


Spaßige Rennmodi

Drei verschiedene Rennmodi sorgen bei BLUR für den Spielspaß. Bei den normalen Rennen tritt ein Fahrerfeld gegeneinander an und kämpft mit Powerups um den ersten Platz. Bei den Duellen gegen die Boss-Gegner werden die normalen Rennen gefahren, jedoch mit einem kleinen Unterschied: Wird der Gegner demoliert, so ist das Rennen sofort mit einem Sieg beendet. Im Zeitfahren fährt der Spieler gegen die Uhr. Dabei müssen Checkpoints vor Ablauf einer bestimmten Zeit passiert werden. Unterwegs gibt es Nitro-Powerups für zusätzliche Geschwindigkeit und Uhren, die zwei zusätzliche Sekunden bringen. Je mehr Zeit am Ende des Rennens übrig ist, desto mehr Lichter gibt es.

Der dritte Rennmodus ist die Zerstörung. In dem Modus gibt es ausschließlich Blitz-Powerups, mit denen Gegner beschädigt werden müssen. Es werden dabei normale Rennstrecken gefahren, doch anstatt im Fahrerfeld gegeneinander anzutreten, erscheinen vor dem Spieler für die Zerstörung geeignete Opfer. Bei der Demolierung schießen einige Fahrzeuge einen Blitz oder einen Stoß nach hinten. Diese können nicht nur dem Spieler selbst schaden, sondern können auch dazu genutzt werden, die anderen Fahrzeuge damit beschädigen zu lassen. Im Onlinemodus gibt es eine abgewandelte Form dieses Rennmodi, welcher sich dort Motorensalat nennt. Anders als im Einzelspielermodus müssen die gegnerischen Fahrzeuge in einer dafür speziell konstruierten Arena beschädigt werden. Wer in der vorgegebenen Zeit von drei Minuten die meisten Punkte für Treffer und Demolierungen hat gewinnt.

Im Onlinemodus stehen etwas später Teamrennen zur Verfügung, bei denen die Fahrer in zwei Teams aufgeteilt werden. Dabei handelt es sich um eine abgewandelte Variante des Powerup-Rennens. Vorteil ist, dass zum einen die direkten Gegner mit einer Art leuchtenden Säule gekennzeichnet sind, und zum anderen, dass die Waffen das eigene Team, zumindest nicht allzu sehr, schaden kann. So fliegen abgefeuerte Stöße an den eigenen Leuten vorbei und suchen sich nur die Gegner als Ziel. Im Grunde ist dies ein sehr toller Modus, doch leider fehlt dort eine gescheite Möglichkeit, dass beispielsweise für Clanmatches ausgetragen werden können, da kein Team gewählt werden kann, sondern die Spieler automatisch zugeordnet werden.


Gelungener Online-Modus

Die Online-Anbindung von BLUR sorgt für zusätzliche Spielmotivation, denn damit kann die Leistung jedes Rennens in der Karriere mit denen der Freunde verglichen werden. Es wird nach jedem Rennen eine Rangliste mit den Freunden sowie der Vergleich zu einem ausgewählten Rivalen angezeigt. Außerdem können verschiedene Spielfortschritte schnell über den eigenen Account bei Twitter und Facebook mitgeteilt werden.

Der Onlinemodus selbst sorgt, insbesondere wenn mit mehreren Freunden gleichzeitig gespielt wird, für einen großen Spaß. Hier gibt es die Möglichkeiten öffentliche Matches zu spielen, bei denen auch andere Fahrer mitfahren können, als auch eine private Sitzung zu eröffnen, bei denen nur die Personen teilnehmen dürfen, die von einem aus dieser Sitzung eingeladen wurden. Wer Fans sammeln möchte, der muss dies jedoch in dem öffentlichen Bereich tun. Jeder Spieler fängt hierbei, unabhängig vom Erfolg in der Karriere, beim Fan-Status 0 an und darf auch hier nach und nach neue Fahrzeuge freischalten. Die einzige Verbindung zum Einzelspielermodus besteht bei den Boss-Fahrzeugen. Wenn online das notwendige Level dafür erreicht wurde, stehen diese zur Verfügung, vorausgesetzt, dass sie in der Karriere bereits erkämpft wurden.

Die Spielmodi beschränken sich hauptsächlich auf Powerup-Rennen. Dafür gibt es verschiedene Lobbys, also Bereiche mit Sitzungen für die Spieler, die abhängig vom Erreichten Level sind. Fahrer mit Fan-Status bis 10 können an speziellen Anfängerrennen teilnehmen, um den Einstieg etwas angenehmer zu gestalten, damit nicht sofort gegen die deutlich erfahreneren Spieler gefahren werden muss. Bei den anderen Lobbys gibt es eine, bei denen bis zu 10 Spieler fahren können und eine mit sogar 20 Personen. Besonders klasse ist, dass zuerst mit Freunden eine private Sitzung eröffnet werden und anschließend als gesamte Gruppe einer Lobby beigetreten werden kann. Somit gibt es keine Probleme, dass eine Sitzung plötzlich voll ist und einer der Freunde wo anders landet. Zudem kann über die Freundesliste bei öffentlichen Matches jederzeit einem Freund gefolgt werden, sofern dort noch Platz ist. Alternativ kann auch einfach ein Freund über die Liste eingeladen werden.

Der ansonsten recht starke Onlinemodus hat aber auch ein paar Schwächen. So fehlt insbesondere bei den privaten Matches eine Chatfunktion, damit beispielsweise Bescheid gegeben werden kann, wenn alle bereit sind. Bei der PC-Version werden zudem nur leere Avatare angezeigt, da dort die Möglichkeit fehlt, diese hochzuladen. Zudem ist auch die Freundesliste noch ausbaufähig. Zwar können hier auch Personen hinzugefügt werden, die nicht online sind, und es wird jederzeit angezeigt, welcher Freund was macht, doch Profile mit zusätzlichen Informationen oder Statistiken fehlen.


­Technisch unterlegen

Einige Kritikpunkte gibt es jedoch auch noch anzumerken. Denn die wohl schlimmste, technische Einschränkung bei BLUR ist die Unterstützung der Eingabegeräte. Neben der Tastatur wird ausschließlich das Xbox 360-Gamepad unterstützt, sämtliche DirectImput-Geräte werden überhaupt nicht erkannt und können somit nur mit spezieller zusätzlicher Software zur Emulation des Gamepads überhaupt genutzt werden. Der Online-Spielspaß wird neben den bereits genannten Punkten durch Verbindungstrennungen bestimmter Spieler getrübt. Wenn erstmal herausgefunden wurde, welche Ports freigegeben werden müssen (im Handbuch wird dies nicht genannt), lässt sich in den Einstellungen nachschauen, ob sie offen sind und vom Spiel genutzt werden können. Doch selbst dann kann es passieren, dass bei größeren Sitzungen einige Leute die Verbindung verlieren oder gar nicht erst beitreten können. Selten kommt es sogar vor, dass das komplette Spiel crasht.

Hinsichtlich der Grafik ist BLUR dem Konkurrenztitel Split/Second eher unterlegen. Die Grafik, die damit verbundenen Details sowie die Effekte beim Einsatz von Powerups sind weniger beeindruckend, doch für einen derartigen Fun-Racer ist dies völlig ausreichend. Über den Musikgeschmack lässt sich zwar streiten, doch für mich persönlich lädt der Soundtrack eher zum Abschalten ein.

Wertung

Fazit

GC-Wertung
8,0

Zwar kann BLUR nicht mit einer großartigen Atmosphäre oder atemberaubenden Effekten punkten, doch hinsichtlich des Spielspaßes und der Langzeitmotivation überzeugt das Rennspiel. Gerade der Onlinemodus ist trotz einiger Schwächen sehr gut geworden und verspricht, vor allem mit mehreren Freunden zusammen, viele Stunden Spielspaß.

Blur

Entwickler: Bizarre Creation
Publisher: Activision
Genre: Arcade-Rennspiel
Altersfreigabe: freigegeben ab 12 Jahren
Veröffentlichung: 28. Mai 2010
Plattform: PC
Weitere Informationen zum Spiel
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