Vorschau: Titanfall

PC-Version, getestet von Stefan Brauner am

Normalerweise bin ich kein großer Fan von reinen Online-Titeln, da ich lieber eine Kampagne durchspiele, die Schwierigkeit anpassen kann, mich mit einer schönen Story unterhalten lasse und mich letzten Endes über das Durchspielen freue. Titanfall wird keinen Einzelspieler-Modus haben, jedoch wollte ich mich auf der gamescom 2013 selbst davon überzeugen, was es mit dem hochgelobten Online-Shooter so auf sich hat.

Bei Titanfall handelt sich es um das erste Spiel des doch jungen Studios Respawn Entertainment, den Mitgründern von Infinity Ward und Schöpfern der Call of Duty-Franchise. Das Team umfasst knapp 60 Mitarbeiter, mehr als die Hälfte davon hat bei mindestens zwei CoD-Teilen mitgewirkt. Titanfall ist ein reiner Online-Multiplayer-Shooter, der in der Ego-Perspektive gespielt wird. Eine Besonderheit ist die Tatsache, dass die Mehrspieler-Matches einen Hauch von Einzelspieler-Kampagne erhalten, da es Cinematics geben wird. Keine Neuheit, schließlich gab es so etwas bereits bei Brink, dennoch eher selten und eine gute Abwechslung.

So ähnlich dürfte es wohl bei Titanfall ablaufen. Dort gibt es die beiden Fraktionen M-COR und IMC, die in den Multiplayer-Partien des passenden Modus verschiedene Missionsziele erfüllen müssen, während die Feinde das genaue Gegenteil als Ziel haben. Bei der gamescom-Demo gab es auf die Missionen selbst leider keinen Vorgeschmack, stattdessen war Deathmatch angesagt.

In Titanfall steuert der Soldaten, die zu Fuß unterwegs sind. Genauer gesagt sind es Piloten der sogenannten Titanen, große, schwer bewaffnete und gut gepanzerte Mechs. In der gamescom-Demo hatte ich zu Beginn die Auswahl zwischen drei unterschiedlichen Klassen für die Soldaten, die sich in ihrer Ausrüstung unterscheiden. Damit ein bekanntes Prinzip von Multiplayer-Titeln. Neben von unterschiedlichen Waffen gibt es zusätzliche Merkmale, beispielsweise die Möglichkeit einer vorübergehenden Tarnung.

Danach durfte ich eine der drei Titanen der Atlas-Klasse aussuchen, im fertigen Spiel wird es eine größere Auswahl geben. Sie unterscheiden sich ebenfalls zusätzlich zu den Waffen durch weitere Merkmale. So ist beispielsweise eine Titan-Klasse in der Lage, die feindlichen Projektile mit einer Art Schutzschild aufzufangen und anschließend zurück in Richtung Gegner zu befördert. Wird damit zu lange gewartet, richtet es jedoch schwere Schäden am eigenen Titan an. Wer feststellt, dass die gewählten Klassen doch nicht dem eigenen Spielstil entsprechen oder im aktuellen Gefecht nicht die optimale Wahl war, kann diese im laufenden Spiel wechseln.

Titanfall Screenshot

Während des Gefechts wird automatisch der eigene Titan zusammengebaut. Dies dauerte bei mir ungefähr drei Minuten, danach durfte ich diesem darf er mit einem Tastendruck bei der gewünschten Position, und zwar zur Blickposition, angefordert werden. Nach wenigen Sekunden wird dieser von oben abgeworfen – daher „Titanfall“. Dieser steht nur für mich bereit, niemand anderes kann mir den wegnehmen. Sollte ich vor dem Anfordern sterben, kann ich direkt als Titan respawnen. Positiv fällt auf, dass bei der Steuerung die Ego-Perspektive beibehalten wird und eine schöne Ansicht aus dem Cockpit genossen werden darf.

Da jeder Titan natürlich irgendwann durch den ständigen Beschuss zerstört wird, sollte ich zusehen, rechtzeitig rauszukommen, ehe mein Pilot bei der Explosion mit draufgeht. Freundlicherweise blendet das Spiel in der kritischen Phase direkt ein, wenn der Schleudersitz durch mehrmaliges Betätigen der festgelegten Taste verwendet werden sollte. Alternativ kann ich einfach aussteigen, sieht aber nicht so schön aus wie das in die Luft katapultieren und dann für kurze Zeit von oben aus weiterschießen. Nach jedem zerstörten Titan musste ich zwei Minuten bis zum Anfordern eines neuen warten.

Meine erste Befürchtung war, dass man als Pilot gegen die mächtigen Titanen chancenlos ist und die Fortbewegung vergleichsweise lange dauert. Bereits die kurze Vorabeinführung konnte mich beruhigen und das Gameplay bewies schließlich, dass dem nicht so ist. Dank eines Jump-Packs, ähnlich wie ein Jet-Pack, sind die Piloten in der Lage Doppelsprünge auszuführen und damit beispielsweise direkt in die erste Etage eines Gebäudes zu springen. Hinzu kommt die Möglichkeit mit etwas Schräglage an den Wänden entlangzulaufen. In Kombination mit den Sprüngen ermöglicht dies eine völlig andere Form der Fortbewegung, die ziemlichen Spaß macht. Wer gerade selbst keinen Titan hat, kann sich auf dem eines Mitspielers positionieren, um sich tragen zu lassen und von dort aus feuern zu können.

Um den Titanen nicht zu schnell zum Opfer zu fallen, empfehlen sich Routen in oder auf Gebäuden oder zumindest hinter etwas Deckung. Mit einer speziellen Waffe lassen sich die schwer gepanzerten Mechs auch als Fußeinheit relativ einfach zerstören. Mit etwas Glück gelingt es ohne von feindlichen Einheiten abgeschossen zu werden direkt auf den gegnerischen Titan, um diesen von dort aus lahmzulegen. Zu keinem Zeitpunkt des Gefechts hatte ich den Eindruck, dass es als Pilot oder Titan deutlich schwieriger ist. Schon in der frühen Version scheint das Balancing dahingehend bereits zu passen.

Zusätzlich zu den menschlichen Spielern gesellten sich mehrere KI-Soldaten, was schon mal ganz angenehm war. Gerade, wenn ein Server nicht allzu gut gefüllt ist, laufen trotzdem noch genug Feinde vor die Flinte ohne lange die halbe Karte ablaufen zu müssen, ehe ein Gegner über den Weg läuft. Zudem lässt es sich damit leichter leveln. Immerhin ist dies bei den meisten Online-Shootern die Hauptmotivation.

Für Kills und Assists erhalten die Spieler Erfahrungspunkte. Dabei wird zwischen Pilot oder Titan und menschlicher Spieler oder KI unterschieden. Am Ende des Matches folgt der Epilog, bei welchem das Verliererteam innerhalb von 60 Sekunden zu einem Rettungsschiff flüchten muss, während das Siegerteam alle Flüchtlinge töten soll – und zwar endgültig, da diese dann nicht mehr respawnen. Der Erfolg im Epilog wird mit zusätzlichen Erfahrungspunkten belohnt.

Anders als viele der anderen kommenden Action-Spiele von Electronic Arts, kommt bei Titanfall nicht Frostbite 3 sondern die Source Engine zum Einsatz. Das ist jedoch nicht sonderlich negativ, denn an der Optik gab es wenig auszusetzen. Die Demos liefen auf dem PC und konnten wahlweise mit Maus/Tastatur oder Gamepad gespielt werden. An der Performance gibt es grundsätzlich nichts auszusetzen, wenngleich es in einer Szene für knapp 30 Sekunden sehr stark geruckelt hat. Vermutlich ein unglücklicher Einzelfall, der ohnehin nur ein einziges Mal bei den zwei 10-minütigen Matches vorkam.

Fazit

Das Anspielen hat sich gelohnt, Titanfall macht großen Spaß und ist eine tolle Abwechslung in der Shooter-Landschaft. Natürlich wäre eine Einzelspieler-Kampagne toll gewesen, aber besser ein kompletter Verzicht als eine fünfstündige-Pseudo-Kampagne, die mehr Pflicht als Kür ist. Dafür gibt es die Kampagnen-Elemente einfach im Multiplayer, was genauso erfreulich ist. Gerne hätte ich schon in der Demo davon einen Eindruck erhalten, insbesondere von den Aufgaben. Durch die tollen Titanen und das Movement der Soldaten, das nach kurzer Eingewöhnung gut gelang, war auch der klassische Deathmatch-Modus alles andere als langweilig.

Titanfall

Entwickler: Respawn Entertainment
Publisher: Electronic Arts
Genre: Ego-Shooter
Altersfreigabe: keine Jugendfreigabe
Veröffentlichung: 13. März 2014
Plattform: PC
Weitere Informationen zum Spiel